Wer nur einen Hammer hat,…

… für den sieht alles wie ein Nagel aus – oder: Wenn AD(H)S eine Störung ist… für wen? Und was, wenn „Zappelei“  ein sehr verständliches Signal für natürlichen Bewegungsdrang oder gar Talent wäre?

Ziemlich entgegen jedem gesunden Menschenverstand wird – so aktuell im Wiesbadener Kurier vom 20.3.15 > Link unten < – immer mal wieder der Mythos „AD(H)S“ bemüht. Und „fast im Vorbeigehen“ wird erwähnt, dass überwiegend Jungs betroffen sind – sind diese also „besonders gestört und therapiebedürftig“!? Wer hier nicht genauer hinschaut, hat weder die Physiologie noch das Seelenleben von Jungs verstanden…

Nach über 15 Jahren Beschäftigung mit diesem Phänomen und dem überwiegend erfolgreichen Training von weit über 300 Kindern mit Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten – vorab: Keineswegs ist jedes „hyperaktive“ oder „hochsensitive“ Kind zugleich hochbegabt! An einem Ende der Ursachenskala steht schlicht eine Nicht-Erziehung, also das Fehlen jeglicher Strukturen, Grenzen und auch Konsequenzen. Mitunter liegt es auch an einer Linkshändigkeit, die oft mit anderen Wahrnehmungs- und Denkmustern verbunden ist; oder noch schwieriger bei genötigter oder selbstgesteuerter Umschulung „auf das richtige Händchen“ zu einem „Knoten im Gehirn“ führen kann. Bei bestimmten Schwerpunktbegabungen oder sog. Hochbegabung – die keineswegs gleich „IQ 130 plus“ ist, liegt sicher nahe, dass üblicher Unterricht als zu langweilig empfunden wird, jede Ablenkung hochwillkommen ist.

Es erklärt sich aber alles noch einfacher – und damit zurück zu den Jungs, die ja von Mutter Natur mit mehr Testosteron (= Muskelwachstum) ausgestattet sind, sich also mehr als Mädchen über Bewegung erleben, so auch leichter durch „Action“ lernen. Dann zum langen Stillsitzen (in der Schule oder vor einem Bildschirm) verurteilt, womöglich mit „junk food“ und/oder Süßkram vollgestopft; unter diesen leider üblichen Bedingungen erscheint mir eher das Kind, das nicht durch Bewegungsdrang und damit auch Stressabfuhr, auffällt, „gestört“.

Stress – sei er schulisch, sozial oder eben auch biochemisch (ernährungsbedingt) bedingt, führt „ganz natürlich!“ zu einer Versorgung der Aktionsmuskulatur zu Lasten des Denkvermögens im Frontalhirn. Möchten wir da ein Medikament verabreichen, dass – fast baugleich mit Extasy – ein Betäubungsmittel mit sehr wahrscheinlichen Neben- und Folgewirkungen ist? Die Pharmaindustrie könnte ja ihre Gewinnminderung über TTIP-Klagen kompensieren… Oder wäre nicht „die tägliche Sportstunde“, wie sie Heike Drechsler heute fordert eine geeignetere, verantwortungsvolle und preiswertere Alternative? Noch besser: 5 Minuten-Übungen vor JEDER Schulstunde! Nicht zuletzt: Das aktive und gemeinsame Spiel wirkt Wunder!
Ach…noch eines: Kinder sind keine Nägel und auch statistische Größe, sondern in ihren Motiven, in ihrer Denk-, Lern- und Verhaltensstruktur stets individuell, einzigartig…

http://www.wiesbadener-kurier.de/lokales/wiesbaden/nachrichten-wiesbaden/statistik-anstieg-von-knapp-300-erkrankungen-an-adhs-in-drei-jahren-in-wiesbaden_15118260.htm